Kühlen mit der Kraft der Sonne

14.09.2021

Die Kulturhalle Münster ist mit ihrer großen Glasfront zwar rein optisch ein Blickfang, doch in Zeiten des Klimawandels und angesichts immer häufigerer Hitzeperioden ist diese Bauweise nicht gerade ideal. Die Sonne heizt das Gebäude auf wie ein Treibhaus. Viele Stammgäste von Kulturveranstaltungen wie dem Pfingstball haben das in den letzten Jahren am eigenen Leib zu spüren bekommen, Temperaturen an die 40 Grad waren keine Seltenheit. Damit ist jetzt Schluss: Die Kulturhalle Münster verfügt nun über eine moderne, innovative Klimaanlage, die sich ausgerechnet die Kraft der Sonne zunutze macht, um das Gebäude zu kühlen.

Überschüssige Energie wird gespeichert

Herzstück ist eine vertikale Photovoltaikanlage an der östlichen Außenfassade, die den Strom für eine Kältemaschine erzeugt – und das im Gegensatz zu herkömmlichen Anlagen völlig nachhaltig und klimaneutral, also ohne CO2-Ausstoß. „Ab den frühen Morgenstunden wird auf der Ostfassade Strom erzeugt und dieser wird für den Betrieb der Kältemaschine verwendet“, erläutert Kälteanlagen-Planer Karl-Heinz Enders von der Firma ESF Ingenieure GbR in Groß-Umstadt. „Die überschüssige Kälteenergie wird gespeichert. Das Speichermedium ist im Grunde identisch zu den Kühlakkus einer Strand-Kühltasche, die Speicher in der Kulturhalle Münster besitzen jedoch ein Volumen von ca. 5000 Liter.“

Mit den vollgeladenen Speichern kann dann auch in den Abendstunden gekühlt werden, sodass angenehme Temperaturen herrschen. „Das System benötigt keinen weiteren externen Strom“, betont Philip Weil von der Firma E-Concept aus Brensbach, die die Anlage errichtet hat.

Da es sich um ein innovatives System und damit eine Art Pilotprojekt handelt, das es in der Form bislang nur selten gibt, haben beide beteiligten Fachfirmen den Bau finanziell mit einer Spende unterstützt. Die Firma ESF Ingenieure hat einen Zuschuss von 5.000 Euro geleistet. Die Firma E-Concept hat die Anlage kostenneutral gebaut. Das heißt, es wurde auf Gewinn verzichtet und für die Gemeinde sind nur Materialkosten entstanden.

„Wir als Klimaschutzkommune Münster sind natürlich ganz besonders stolz, solch eine innovative und zukunftsweisende Anlage in unserer schönen Kulturhalle zu haben“, sagt Bürgermeister Joachim Schledt. „Dadurch bleibt die Temperatur im Gebäude jetzt auch im Sommer erträglich und ausgelassenen Veranstaltungen in der heißen Jahreszeit steht nichts mehr im Wege. Davon profitieren unser attraktives Kulturprogramm und unsere Vereine. Wir danken den Firmen ESF Ingenieure und E-Concept für die fachliche und finanzielle Unterstützung!“ Die neue Anlage hat im Juli bereits den Betrieb aufgenommen. (MMR)

Bildunterschrift: Karl-Heinz Enders von der Firma ESF Ingenieure, Bürgermeister Joachim Schledt und Philip Weil von E-Concept (v.l.) vor der vertikalen Photovoltaikanlage an der Kulturhalle Münster. Foto: GM/Meike Mittmeyer-Riehl