Neuer Überschwemmungs-Schutz an Altheimer Semme hilft Anwohnern und wahrt Biber-Lebensräume

14.07.2020

Ein sogenanntes Drainrohr (Kunststoffrohr mit Löchern) sorgt nun als Übergangslösung für einen geregelten Abfluss in der Altheimer Semme, damit die benachbarten Felder nicht mehr so schnell überflutet werden. Foto: GM/Meike Mittmeyer-Riehl

Für den Naturschutz sind es tolle Nachrichten: Nachdem der Biber in Hessen so stark bejagt worden war, dass er rund 200 Jahre lang als ausgestorben galt, fühlen sich die Nager mittlerweile an vielen Orten auch in Münster wieder pudelwohl, etwa in der Gersprenz und der Altheimer Semme. In der Semme sind die fleißigen Tierchen zuletzt besonders aktiv gewesen und haben drei stattliche Dämme errichtet.

Das Problem: Der Bachlauf ist sehr schmal und wurde durch die Biber-Bauwerke derartig stark gestaut, dass es bei Starkregen zuletzt immer wieder zu überfluteten Feldern und bei Anwohnern nahe der B 26 sogar zu Wasser in Kellern gekommen war. Nach Angaben der Freiwilligen Feuerwehr Münster gab es allein beim letzten Starkregen zahlreiche Einsätze im Zusammenhang mit einem Überlaufen der Altheimer Semme.

Wasserstand um 50cm abgesenkt

Um diesem Problem nun zu begegnen und dabei die Eingriffe in die Natur trotzdem möglichst gering zu halten, hat die Gemeinde Münster in enger Zusammenarbeit mit dem Biberbeauftragten beim Regierungspräsidium Darmstadt, dem Wasserverband Gersprenz und der Unteren Naturschutzbehörde eine umweltverträgliche Lösung gefunden: Vergangene Woche wurde der Biberdamm um ca. 60 cm abgetragen, wodurch der Wasserstand des Bachlaufs um rund 50 Zentimeter abgesenkt werden konnte.

Des Weiteren wurde ein Drainrohr (Kunststoffrohr mit Löchern) in einen Biberdamm eingebaut. So wird ein stetiger Abfluss des Wassers gewährleistet und bei Starkregen kann es nicht mehr so schnell zu Überschwemmungen kommen. Gleichzeitig bleiben die artenreichen Lebensräume erhalten. Bei dieser Lösung handelt es sich um eine kurzfristige, vorläufige Maßnahme. Eine langfristige Lösung zur Absenkung an den Einleitstellen wird in Zusammenarbeit mit den beteiligten Akteuren noch erarbeitet.

„Für uns als Klimaschutzkommune war es besonders wichtig, eine Lösung zu finden, die die Interessen der Anwohnerinnen und Anwohner mit den Anforderungen des Naturschutzes vereint“, erläutert Bürgermeister Gerald Frank. „Durch die tolle Zusammenarbeit unserer Bauverwaltung mit dem RP und dem Wasserverband haben wir nun eine Lösung gefunden, die genau diese Anforderungen erfüllt.“ Das Problem bestand bereits seit Längerem und gemeinsam mit dem Wasserverband hatte die Gemeinde Münster bereits zuvor mehrfach versucht, unter Berücksichtigung der Belange des Naturschutzes den Wasserspiegel abzusenken. Doch die Biber hatten immer wieder kräftig nachgearbeitet.

Bildunterschrift: Ein sogenanntes Drainrohr (Kunststoffrohr mit Löchern) sorgt nun als Übergangslösung für einen geregelten Abfluss in der Altheimer Semme, damit die benachbarten Felder nicht mehr so schnell überflutet werden. Foto: GM/Meike Mittmeyer-Riehl