„Der Neue“ in Münsters Gemeindevorstand

15.03.2022

Wolfgang Hemmer-Girods Herzensthema ist die Energiewende. Dafür lässt er sich auch gerne mal von Nachbarn und Bekannten die Photovoltaikanlagen zeigen, hier steht er gerade vor dem Haus von Heinz Ständner in Altheim mit einer ganz besonders großen PV-Anlage auf dem Dach. Foto: GM/Meike Mittmeyer-Riehl

Was macht eigentlich der Gemeindevorstand? In loser Folge stellen wir die Mitglieder des Gemeindevorstands der Gemeinde Münster vor. Diesmal: Wolfgang Hemmer-Girod, der vor Kurzem die Nachfolge von Jan Stemme angetreten hat.

Dass Wolfgang Hemmer-Girod (66) so schnell in ein politisches Amt kommen würde, damit hätte er noch vor einem Jahr nicht gerechnet. Bei der Kommunalwahl im März 2021 kandidierte er erstmals überhaupt für ein kommunalpolitisches Amt. Interesse für Politik und eine große Begeisterung vor allem für Themen rund um die Energiewende hatte er zwar schon seit der Gründung der Grünen 1980, erzählt er, doch erst im Ruhestand fand er auch die Zeit, sich aktiv einzubringen.

Denn hinter ihm liegt ein bewegtes Berufsleben, das mit vielen Reisen verbunden war: Nach dem Diplomabschluss an der Uni Bonn war der studierte Physiker für verschiedene internationale Unternehmen im Bereich Lasertechnik tätig. Ob Indien, China, Taiwan oder Japan, „mein Reisepass war immer voller Stempel“, blickt er zurück. Dazu kamen zwei Auslandsjahre mit der jungen Familie Ende der 80er an der US-Ostküste in Boston.

1989 verschlug es Hemmer-Girod, der gebürtig aus dem Frankenwald stammt, mit Ehefrau Elke und den beiden damals kleinen Töchtern Marike und Alina nach dem USA-Aufenthalt beruflich ins Rhein-Main-Gebiet. Die Familie wurde in Altheim sesshaft, Umzüge gab es seither keine mehr. „Ich bin von meinen vielen Reisen immer wieder sehr gerne ins beschauliche Altheim nach Hause gekommen“, erzählt er.

Unterwegs für Photovoltaik (PV) an der Kläranlage und mit dem Klimaschutzmanager

Für einen Sitz in der Fraktion von ALMA/Die Grünen in Münster reichte es bei der Kommunalwahl am Ende nicht, doch nun ist der Altheimer geradewegs in den Gemeindevorstand vorgerückt. „Jan Stemme hat mich zuerst zu ALMA/ Die Grünen gelockt und im Januar angesprochen, ob ich sein Nachfolger im Gemeindevorstand werden möchte“, erzählt Hemmer-Girod, „das ist für mich natürlich eine Ehre, denn in die großen Fußstapfen von Jan zu treten ist schon eine Herausforderung.“ Stemme hatte sich Anfang des Jahres aus gesundheitlichen Gründen aus dem Gremium zurückgezogen.

Seit seiner Vereidigung in der letzten Gemeindevertretersitzung am 7. Februar hat sich der umtriebige Wahl-Altheimer bereits in seine neue Rolle eingearbeitet, auch dabei stand zunächst sein Herzensthema – die Energiewende – im Fokus: Er hat sich unter anderem von Klärwerk-Leiter Ahmed El Makthari die moderne Münsterer Kläranlage (den größten Stromabnehmer der Gemeinde und damit potentiellen PV-Standort) zeigen lassen und wurde von Markus Euler über eine geplante PV-Anlage am zukünftigen MUNA-Museum informiert. Bei Klimaschutzmanager Frank Nierula gabs den Überblick über weitere kommunale Projekte.

Treffen mit vielen Abteilungsleiter*innen der Verwaltung haben schon stattgefunden oder stehen noch auf seiner Agenda, um sich tiefer in alle Verwaltungsabläufe einzudenken. „Da ich immer in der freien Wirtschaft gearbeitet habe, sind die Abläufe in der Kommunalverwaltung neu für mich, aber ich werde überall freundlich aufgenommen und unterstützt, sowohl von den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Verwaltung als auch von Bürgermeister Joachim Schledt und den Kollegen im Gemeindevorstand“, berichtet Hemmer-Girod.

Wenn der 66-Jährige also nicht gerade bei Gemeindevorstandssitzungen oder Außenterminen unterwegs ist, trifft man ihn auf dem Fahrrad oder auf dem Wasser am Sickenhöfer See an: Er ist begeisterter Rennradfahrer und leidenschaftlicher Windsurfer. Ausdauer und Balance sind schließlich Eigenschaften, die ihm auch in seinem neuen Ehrenamt stets nützlich sein werden. (MMR)

Info-Box: Der Gemeindevorstand

Der Gemeindevorstand ist das Verwaltungsorgan einer Gemeinde, in Städten heißt dieses Gremium Magistrat. Es setzt sich zusammen aus dem/der Bürgermeister/in sowie weiteren Mitgliedern, die von der Gemeindevertretung (also dem „Parlament“ einer Kommune) gewählt werden. Die Mehrheitsverhältnisse der Parteien spiegeln sich somit i.d.R. auch im Gemeindevorstand wider. In Münster besteht der Gemeindevorstand aus Bürgermeister Joachim Schledt plus fünf Personen: Norbert Schewe (CDU), Peter Waldmann (CDU), Ernst Soer (SPD), Wolfgang Hemmer-Girod (ALMA/Die Grünen) und Albert Matheis (FDP).

Der Gemeindevorstand führt die Geschäfte der Verwaltung entsprechend den Beschlüssen, die in der Gemeindevertretung gefällt werden, hat in einigen Bereichen aber auch eigene Entscheidungskompetenzen, zum Beispiel bei Personalangelegenheiten. Da es oft um datenschutzrechtlich sensible Inhalte geht, tagt der Gemeindevorstand stets nicht-öffentlich. In den öffentlichen Gemeindevertretersitzungen sind die Mitglieder des Gemeindevorstands zwar anwesend, haben jedoch kein Stimmrecht.

Bildunterschrift: Wolfgang Hemmer-Girods Herzensthema ist die Energiewende. Dafür lässt er sich auch gerne mal von Nachbarn und Bekannten die Photovoltaikanlagen zeigen, hier steht er gerade vor dem Haus von Heinz Ständner in Altheim mit einer ganz besonders großen PV-Anlage auf dem Dach. Foto: GM/Meike Mittmeyer-Riehl

Bisher auch in dieser Reihe erschienen: Norbert Schewe, der Vize-Bürgermeister