AG Stolpersteine
Die ,,AG Stolpersteine Altheim - Münster" ist eine nicht vereinsgebundene, unabhängige und überparteiliche Arbeitsgruppe ehrenamtlicher Bürgerinnen und Bürger, die das lnteresse an der Aufarbeitung der Geschichte aller in der Zeit der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft verfolgten Personen und Personengruppen eint. Sie verfolgt das Ziel, die Geschichte und persönlichen Schicksale der zwischen 1933 und 1945 verfolgten Personengruppen und einzelner Personen mit dem Fokus auf Münster einschließlich seiner Ortsteile Altheim und Breitefeld aufzuarbeiten, um im Sinne der Erinnerungskultur das Erinnern an sie zu bewahren und diesen Teil der kommunalen Geschichte auch für nachkommende Generationen nachvollziehbar zu machen. Damit leistet sie einen Beitrag zur Wahrung unserer Demokratie und zum gesellschaftlichen Zusammenhalt. Im Sommer 2025 wurde mit der Gemeinde Münster (Hessen) ein Rahmenkonzept geschlossen, das die weitere Zusammenarbeit zwischen Verwaltung und AG regelt.
Aktueller Spendenaufruf
Aktuell ruft die Arbeitsgruppe wieder zu Spenden der Bevölkerung auf, damit die Gedenktafel am Storchenschulhaus, die an jüdische Opfer in Münster erinnert, vervollständigt werden kann. Auf ihr fehlen nämlich noch die Namen der Familien, die erst im Zuge der Stolperstein-Recherchen ans Licht gekommen sind. „Außerdem wollen wir unsere Recherchen auf weitere Opfergruppen des NS-Regimes ausweiten und künftig noch weitere Stolpersteine im Ort verlegen“, erläutert Gerhard Bonifer-Dörr.
Neben jüdischen Mitbürgern wurden nämlich viele weitere Personengruppen von den Nazis verfolgt, etwa Menschen mit Behinderungen, Homosexuelle, Sinti und Roma, politisch Verfolgte, Priester und Gewerkschafter.
Spendenkonto
Spenden für die Vervollständigung der Gedenktafel werden gerne von Firmen und Privatpersonen entgegengenommen. Eine Spendenquittung stellen wir Ihnen auf Wunsch aus. Bitte geben Sie in diesem Fall im Verwendungszweck neben dem Stichwort „429 Stolpersteine“ unbedingt Ihren vollständigen Namen und Ihre Adresse an.
Bitte richten Sie Ihre Zahlung an:
Gemeinschaftskasse der Gemeinden des Landkreises Darmstadt-Dieburg
DE58 5085 2651 0083 3039 25
Sparkasse Dieburg
Verwendungszweck: 429 Stolpersteine, Name des Spenders, Adresse des Spenders
Kontakt
Die AG Stolpersteine ist per Mail direkt zu erreichen (E-Mail schreiben).
Ansprechpartnerin innerhalb der Gemeindeverwaltung: Meike Mittmeyer-Riehl (E-Mail schreiben).
Verlegestellen in Münster
Verlegestellen in Münster
- Altheim, Hauptstr. 4 (1 Stein für Moses Altheimer)
- Altheim, Hauptstr. 54 (3 Steine für Erwin, Martha und Albert Weinberg)
- Münster, Dammstr. 28 (1 Stein für Eva Erna Vogel)
- Münster, Hintergasse 75 (1 Stein für Salomon Simon)
- Münster, Schulstr. 16 (5 Steine für Frieda, Eduard, Erna Amalie und Ilse Theresia Vogel sowie Elka Schiff)
- Münster, Schulstr. 8 (3 Steine für Franziska und Bella May sowie Friedel von Halle)
- Münster, Frankfurter Str. 25 (5 Steine für Leopold, Johanna, Johanna, Joseph und Kurt Friedrich Simon)
- Münster, Borngasse 2 (2 Steine für Jeanette und Isaak May)
Rückblick auf die Verlegung der Stolpersteine mit Gunther Demnig
Rückblick auf die Verlegung der Stolpersteine mit Gunther Demnig
In Münster und Altheim gibt es seit 7. April 2025 acht Orte, an denen insgesamt 21 Stolpersteine des international bekannten Künstlers und Bildhauers Gunter Demnig an die Schicksale von jüdischen Mitbürgerinnen und Mitbürgern erinnern, die in der NS-Zeit vertrieben, verfolgt und ermordet wurden. Demnig verlegte die Messingtafeln mit Inschriften, die er nahtlos in Gehwege einarbeitet, persönlich. Sie werden in der Regel am letzten frei gewählten Wohnort von Opfern der Nazidiktatur platziert, damit ihr Andenken nicht in Vergessenheit gerät – 80 Jahre nach Ende des zweiten Weltkrieges ist dieses Gedenken wichtiger und aktueller denn je. Stolpersteine sind dauerhafte Zeichen der Erinnerungskultur. Sie sollen nicht zuletzt auch darauf aufmerksam machen, wozu Ausgrenzung, Rassismus, Fremdenfeindlichkeit und Dehumanisierung führen können und sind eine Mahnung für die Zukunft.
Die 14-köpfige Arbeitsgruppe bestehend aus Patricia Bombala, Gerhard Bonifer-Dörr, Gerald Frank, Edmund Galli, Peter Hartmann, Rosi Haus, Alexandra und Frank Henkelmann, Silvana Kamutzki, Iris Petry, Hans-Peter Schmücker, Jan Stemme und Ernst-Peter Winter hat in intensiven Nachforschungen eineinhalb Jahre lang die Lebens- und Leidenswege der Menschen recherchiert, nach Angehörigen und Nachfahren gesucht und die umfangreichen Daten aufgearbeitet. Die Gründung der AG Stolpersteine geht auf einen einstimmigen Beschluss der Gemeindevertretung zurück.
Über 100 Besucher beim Vortrag im Sitzungssaal
Bereits am Vorabend der Verlegung hielt Gunter Demnig einen Vortrag im Sitzungssaal des Rathauses zur Entstehungsgeschichte der Stolpersteine, die er seit Anfang der neunziger Jahre in ganz Europa verlegt. Mit rund 100.000 Steinen in über 30 Ländern haben sich die Stolpersteine zum größten dezentralen Kunstprojekt der Welt entwickelt. Über 100 Besucherinnen und Besucher lauschten Demnigs Ausführungen gebannt. “Die Stolpersteine sind mein Leben geworden”, blickte der 77-Jährige zurück, der in West-Berlin aufgewachsen ist und schon als Student mit groß angelegten Kunstaktionen im öffentlichen Raum auf sich aufmerksam machte. Die beste Definition zum Sinn und Zweck der Stolpersteine stamme aber gar nicht von ihm selbst, sondern von einem Schüler, mit dem er mal ins Gespräch gekommen war, erzählte Demnig. Der habe nämlich gesagt: “Man stolpert mit dem Kopf und mit dem Herzen.” Musikalisch begleitet wurde der Abend von der Band “Ora Blu”.
Am Sonntagvormittag war es dann endlich so weit: Beginnend in der Altheimer Hauptstraße 4 verlegte der Künstler die Stolpersteine eigenhändig. Der gemeindliche Bauhof hatte die Stellen zuvor passgenau vorbereitet. Mitglieder der AG trugen während der Verlegung die Lebens- und Leidenswege der jüdischen Mitbürgerinnen und Mitbürger vor, die von den Nazis verfolgt, deportiert und ermordet wurden. Ihre Häuser wurden häufig geplündert. Nur manchen gelang die Flucht. Der einzige noch Überlebende ist Kurt Simon (93), der als Kind aus Münster floh und heute in Israel lebt. Er konnte zwar nicht persönlich zur Verlegung anreisen, die AG führte aber vorab ein Videotelefonat mit ihm.
Thematisch umrahmt wurde die Stolperstein-Verlegung von zwei Ausstellungen. Das ARThaus Altheim zeigte mit “Unsere Stolpersteine – Interview – Geschichte – Dokumentation” Hintergrundinformationen zu den Menschen, an die erinnert wird. Auch Ausschnitte aus dem Videotelefonat mit Kurt Simon wurden präsentiert. Am Sonntagnachmittag wurde im Museum an der Mühle des Heimat- und Geschichtsvereins dann noch die Kunstausstellung “Demokratie – verletzlich – unersetzlich” eröffnet.
Dank an die Spenderinnen und Spender
Dank an die Spenderinnen und Spender
“Die Verlegung der Stolpersteine wäre ohne die Unterstützung von großzügigen Spenderinnen und Spendern nicht möglich gewesen”, betont Bürgermeister Joachim Schledt. Denn das Projekt ist komplett spendenfinanziert. Die Gemeinde Münster und die AG Stolpersteine bedanken sich herzlich für die Geldzuwendungen von (alphabetische Reihenfolge):
Gerhard Bonifer-Dörr und Maria Dörr
Bündnis 90 Die Grünen OV Münster
Bürgerstiftung für Münster
Peter Bell und Maria Grimm-Bell
CDU OV Münster
Chor St. Sebastian Eppertshausen
Werner Ellermann
Kai Herd und Christina Ellermann
Ev. Martinsgemeinde Münster
FDP OV Münster
Edmund Galli
Helmut und Marianne Gasper
Elisabeth Happel
Paula Haus
Roswitha Paula Haus
Sandra Pereira Heckwolf
Heimat- und Geschichtsverein Münster e.V.
Wolfgang Huther
Bernd Georg Heppenheimer
Susan Höhner
Maria Hundegger
Gabriele Johannsen
Brigitte und Walter Kamutzki
Christiane und Wolfgang Kleinheinz
Veronika Löbig
Jonas Löffelbein
Helga Müller-Lenz
Max Petermann
Iris Petry
Michael Roßkopf
Burkhard Rothfuchs
Monika Schneider und Thomas Roßkopf
Alfons und Helena Schneider
Monika Schmücker
Jacqueline Schramek
Jörg Schroeter
Familie Simon
Sparkasse Dieburg
SPD OV Münster
Katharina Thomas und Holger Wehage
TV1898 Münster e.V.
… sowie weiteren Spenderinnen und Spendern, die anonym bleiben möchten.



















