Kanalspülung in Münster jetzt mit digitaler Unterstützung
Erstelldatum18.03.2026
65 Kilometer lang ist das unterirdische Kanalnetz in Münster. Im Alltag völlig unsichtbar rauschen unter unseren Füßen riesige Mengen Wasser entlang und transportieren Fäkalien und Abwasser in die Kläranlage. Dort wird das Wasser im modernen High-Tech-Betrieb aufbereitet und wieder in den Kreislauf zurückgeführt. Damit im Kanal immer alles gut „flutscht“ und Toilettenpapier oder Verunreinigungen nicht für Stau sorgen, muss das Kanalnetz einer Kommune regelmäßig gut durchgespült werden. Die normale Klospülung oder selbst Regen reichen dafür nicht aus. Schon seit vielen Jahren arbeitet die Gemeinde Münster dafür mit dem Eppertshäuser Unternehmen Kanal Müller zusammen. Rund drei Monate lang sind die Profis mit ihren großen Fahrzeugen dann immer im Gemeindegebiet unterwegs, um alle Kanäle gut durchzupusten.
GPS und Tablet statt Papierpläne und Block
Alles wird genauestens dokumentiert, um Unregelmäßigkeiten, Defekte oder mögliche Schwachstellen im Kanal zu erkennen, damit das Personal des Tiefbauamts darauf ein Auge haben kann. Bislang geschah das alles händisch mit Plänen und Zetteln - das kostete viel Zeit und produzierte jede Menge Papierkram. Vor Kurzem hat Kanal Müller daher auf ein digitales System umgestellt. „Die Mitarbeiter sind jetzt statt mit Papierplänen und Schreibblöcken mit Tablets und GPS unterwegs“, schildert Firmenchef Nico Müller.
Sämtliche Daten werden dabei automatisch erfasst, und zwar viel genauer, als es bei der bisherigen Dokumentation möglich war: Vom Wasserdruck über die Durchflussgeschwindigkeit bis hin zur metergenauen Standortangabe erfasst das Programm alles. „Diese sehr genauen Daten helfen uns jetzt auch viel besser dabei, potenzielle Schäden im Kanal früh zu erkennen und zu beheben, bevor ein großer Schaden – im schlimmsten Fall ein Kanaleinbruch – entsteht“, sagt Kläranlagen-Leiter Ahmed El Makhtari. Zusätzlich prüfen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Kläranlage derzeit, ob künftig eine KI für die Auswertung der umfassenden Daten eingesetzt werden kann, um Schäden noch effektiver zu vermeiden.
Für die Umstellung musste Kanal Müller zwar erstmal Geld in die Hand nehmen, doch der Firmenchef ist sich sicher, dass sich das lohnt: „Die Investitionskosten lagen bei rund 50.000 Euro, aber durch mehr Effizienz und Zeitersparnis hat man die schnell wieder raus.“
Auch Bürgermeister Joachim Schledt ist von der neuen, digitalen Lösung begeistert: „Münster ist eine moderne Kommune, die auf Digitalisierung in der Verwaltung setzt und immer offen für neue Ideen ist. Wir freuen uns, eine der ersten Kommunen zu sein, in denen das neue System zum Einsatz kommt und sich bereits bewährt hat.“
Übrigens: Während der Kanalspülungen im Ort kann es durchaus mal vorkommen, dass in den betroffenen Straßen in manch einem Haushalt ein Gluckern zu hören ist. Das ist nicht bedenklich. In diesem Zusammenhang erinnert die Kläranlage noch einmal daran, dass Haushalte die Funktionsfähigkeit ihrer Rückschlagklappen zum Schutz vor Wasser im Keller selbst überprüfen und regelmäßig von einem Fachbetrieb warten lassen sollten.
