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Pressemitteilungen

AG Stolpersteine besucht KZ-Katzbach-Adlerwerke

Erstelldatum12.02.2026

Wer kennt sie nicht, die alten Adler-Schreibmaschinen „Gabriele“, die früher auf vielen Schreibtischen standen und einen so unschuldigen, modernen Eindruck machten? 

Zwanzig Teilnehmer und Teilnehmerinnen aus Münster, Altheim und Umgebung sind mit großem Interesse der Einladung des Arbeitskreises Stolpersteine am vergangenen Dienstag, dem 10. Februar 2026 nach Frankfurt gefolgt, um der menschenverachtenden Geschichte eines Unternehmens in unserer nahen Umgebung nachzuspüren und den Opfern direkt vor unserer Haustüre zu gedenken.

Die Firma Adler war eines der wichtigen Traditionsunternehmen in Hessen. Es war das größte Fahrradunternehmen des deutschen Kaiserreichs. Während des Nationalsozialismus wurden nahezu alle jüdischen Unternehmen aus der Nachbarschaft enteignet und die Adlerwerke vergrößert. Sie produzierten fast ausschließlich für die Wehrmacht und stiegen zum größten Hersteller von Schutzpanzerfahrgestellen auf. Ab 1941 mussten dort sehr viele zivile Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter sowie Kriegsgefangene arbeiten.  

Ab August 1944 bis März 1945 wurde zusätzlich ein Konzentrationslager (als Außenlager der KZ-Natzweiler) - mitten in Frankfurt - installiert. Insgesamt 1.616 Menschen aus acht verschiedenen Ländern wurden als KZ-Häftlinge nach Frankfurt gebracht.  Das Konzept der Nationalsozialisten „Vernichtung durch Arbeit“ erlaubte den Adlerwerken den vollständigen Verschleiß von Arbeitskräften/Menschen und die Todesrate im KZ- Katzbach- Adlerwerke übertraf die aller hessischen KZ-Außenlager. Unter unmenschlichen Bedingungen mussten die Menschen dort schuften und leben. 

Um die Spuren der Vernichtung beim Einmarsch der Alliierten zu verwischen, wurden die noch Überlebenden auf einen Todesmarsch von Frankfurt durch die Straßen in allen Dörfern und Städten nach Hünfeld getrieben und nur wenige überlebten. 

Rosi Haus, eine der Münsterer Initiatorinnen dieses Besuches in dem Frankfurter Geschichtsort ergänzte die Ausführungen der Gedenkstättenführung mit den Berichten ihrer 93jährigen Mutter, die immer wieder erzählt, dass diese Gräueltaten während der NZ-Zeit in jedem Dorf und in jeder Stadt wahrzunehmen waren und was sie als Kind erlebt hat: „Wer es wissen wollte, hat es gewusst, niemand kann heute sagen, dass wir alle nichts mitbekommen haben“, so Paula Haus aus Münster.

Durch vielfältige Leugnungen wurden die Verbrechen an den Menschen niemals gesühnt und erst nach sehr langem Engagement der Aktiven des Betriebsrates, Gewerkschafterinnen und Gewerkschaftern und eines Fördervereins konnte die Gedenkstätte/Lernort KZ-Katzbach 2022 endlich eröffnet werden. Der Rundgang der Gruppe der AG-Stolpersteine-Münster spürte den noch vorhandenen Zeugnissen auf dem ehemaligen Werksgelände und im Stadtteil nach und endete mit einer Führung durch den Geschichtsort Adlerwerke, Fabrik, Zwangsarbeit, Konzentrationslager.

Silvana Kamutzki, Koordinatorin der AG-Stolpersteine machte zum Schluss nochmals deutlich, dass sich ein Besuch in dem Lernort KZ-Katzbach-Adlerwerke für alle Teilnehmenden sehr geloht habe und dass sicher so mancher nochmals mit seinen/ihren Kindern oder Enkelkindern die Gedenkstätte besuchen werde. Unter dem Motto

Aus der Geschichte lernen bedeutet: Sich für Gerechtigkeit, Frieden & Demokratie einzusetzen

bedankt sich die AG-Stolpersteine sehr herzlich bei allen Spenderinnen und Spendern für die Broschüren zu den Stolpersteinen Altheim und Münster und den Münsterer und Dieburger Unternehmen, die bereit waren, die Broschüren für Interessierte auszulegen. Von diesem Geld wurde die Führung finanziert und ohne dieses Engagement und Unterstützung wäre ein Lernen und Gedenken nicht möglich.

Veranstaltungshinweis: Aufarbeitung der NS-Verbrechen an psychisch kranken und behinderten Menschen

Die Aufarbeitung der NS-Verbrechen an psychisch kranken und behinderten Menschen in Südhessen und im Landkreis Darmstadt-Dieburg: AG Stolpersteine Altheim und Münster lädt ein für Freitag, 27. Februar, 19:00 Uhr, in den Sitzungssaal des Rathauses Münster. Keine Anmeldung erforderlich.

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