CinemaPlus: Zwei Pionierinnen der Münsterer Kommunalpolitik berichten

13.01.2022

- Kategorien: Kino,
Das Foto zeigt von links: Waltraud Thomas, Dieter und Bettina Müller-Herzing, Elke Müller, Rosi Haus. Es entstand unter 2Gplus-Bedingungen. Foto: Burkhard Rothfuchs

Bei dem Dokumentarfilm „Die Unbeugsamen“, der am vergangenen Mittwoch im Rahmen der CinemaPlus-Reihe im Münsterer Kino Kaisersaal-Lichtspiele gezeigt wurde, geht es um die Situation der weiblichen Politikerinnen im Parlament der Bonner Republik. „Es gibt in dem Film keine Kommentierungen, sondern die schonungslose Darstellung der Realität von Frauen in der Politik“, so Rosi Haus von der AG-CinemaPlus der Gemeinde Münster. Diesmal begrüßte sie nicht nur das Filmpublikum, sondern interviewte im Vorfeld der Filmvorführung Waltraud Thomas und Elke Müller als langjährige kommunalpolitischen Pionierinnen in Münster.

Frau Waltraud Thomas, langjährige Geschäftsführerin der Firma Eisen-Thomas, die in diesem Monat 93 Jahre alt wird, berichtet als erste Interviewpartnerin von ihrem Engagement als langjähriges Gemeinderatsmitglied und erste weibliche Gemeindevorsteherin in der Gemeindevertretung Münster. „Ich war die Jüngste von 11 Kindern und uns wurde beigebracht, dass man Verantwortung übernehmen, sich engagieren und gemeinsame Kompromisse im Sinne aller Bewohnerinnen und Bewohner suchen muss, das war mein Tenor mein ganzes Leben lang“, so Thomas.

„Mein Leben hat bisher sehr viel Kraft und Engagement von mir abverlangt und manchmal hätte es mir gutgetan, wenn die Männer und auch die Frauen mal gefragt hätten: Wie können wir dich unterstützen? Stattdessen kamen oft nur Aussagen wie: Traust du dir das wirklich zu? Oder sowas wie: Kannst du das wirklich? Ohne meine Familie hätte ich das niemals ausgehalten.“ so Waltraud Thomas weiter.

Als erste Frau im Landesvorstand der Parlamentsvorsitzenden war Waltraud Thomas die absolute Vorreiterin von ganz Hessen. Thomas: „Wenn du als Frau bei den Männern etwas durchsetzen wolltest, dann musstest du raffiniert und vor allem schlau sein. – Ich schaue gerne zurück, denn es gibt vieles, wofür es sich gelohnt hat, mich zu engagieren und das werde ich tun, solange ich noch die Kraft habe.“

Die erste weibliche Bürgermeisterkandidatin in Münster

Die fast 70- jährige Elke Müller ist die zweite weibliche Pionierin aus der Münsterer Kommunalpolitik. Sie ist mehr als 35 Jahre ehrenamtlich in Münster tätig, hat unterschiedlichste Bereiche erfolgreich mitgestaltet und häufig auch die weibliche Sicht mit eingebracht. „An manchen Stellen war es notwendig, mir ein dickes Fell anzutrainieren, damit ich die oftmalige Einsamkeit aushalte, die bei unterschiedlichsten Themen entstanden“. Themen wie: Strafe für Vergewaltigungen in der Ehe, Geburtenkontrolle und Frauenhaus waren für Müller genauso wichtige Bereiche, wie soziale Gerechtigkeit, Gesundheit, Altenpflege, Kitabetreuung, sozialer Wohnungsbau, Frieden, Toleranz und Weltoffenheit.

Bei der zweiten Direktwahl von Bürgermeister*innen in Hessen ist Elke Müller als erste weibliche Kandidatin in Münster gegen den damaligen Amtsinhaber angetreten und hat damit all ihre Erfahrung und ihr Wissen in eine große Waagschale geworfen. Auch wenn sie damals nicht gewonnen hat, so hat sie doch deutlich gemacht, dass es auch in Münster sehr couragierte Frauen gibt.

Auch Elke Müller hätte sich so manches Mal mehr Unterstützung gewünscht: „Wenn Frau etwas sagt und Mann das Gleiche mit seinen Worten wiederholt, dann wird dem Mann ganz anders zugehört“, so Elke Müller. „Das ist bis heute in den verschiedensten Gremien und Strukturen der Fall.“

„Bis heute gibt es in unserem Land gravierende Lohnunterschiede zwischen Frauen und Männern. In Führungsebenen, Vorständen und in der Politik sind Frauen nach wie vor unterrepräsentiert und Gerade während Corona wurde deutlich, dass eine faire Rollenteilung und Chancengleichheit in unserer Gesellschaft noch lange nicht gegeben sind. Es gibt noch viel zu tun!

Solidarität und Unterstützung brauchen insbesondere auch all die Frauen in Ländern wie z.B. Afganistan, wo Frauen für ihr Engagement in Gefängnisse gesteckt werden.“ Mit diesen Abschlussworten bedankt sich Rosi Haus bei den Diskutantinnen und bei den Filmfreund*innen im Kino Kaisersaal.

Die Reihe CinemaPlus ist eine besondere Filmreihe im Kaisersaal-Lichtspiele der Familie Müller-Herzing. Seit mehr als 20 Jahren können Filmliebhaber*innen in Münster Einfluss nehmen auf die Auswahl der Filme, die in dieser Reihe gezeigt werden. Eine Arbeitsgruppe aus Kommunalpolitik, interessierten Bürger*innen, Verwaltung und den Kinobetreiber*innen Müller-Herzing sind dabei die Akteur*innen, die ein solches Kino-Jahresprogramm vorbereiten und begleiten.

Weitere Vorführung

Eine zweite Vorführung des Films „Die Unbeugsamen“ findet im Kaisersaal Münster am Mittwoch, dem 19. Januar 2022 um 20:30 Uhr statt. Informationen zur Anmeldung und zu den aktuell geltenden Hygienebestimmungen unter http://www.kaisersaal-lichtspiele.de/

Bildunterschrift: Das Foto zeigt von links: Waltraud Thomas, Dieter und Bettina Müller-Herzing, Elke Müller, Rosi Haus. Es entstand unter 2Gplus-Bedingungen. Foto: Burkhard Rothfuchs

Dies ist eine Pressemitteilung der AG CinemaPlus.