Wirtschaft & Gewerbe

Seit 2015 ist Olaf Burmeister-Salg bei der Gemeinde Münster für Wirtschaftsförderung zuständig. Im Interview erklärt der Abteilungsleiter, wie er ein „Rathaus-Lotse“ für Gewerbetreibende sein will und welches Potential Münster als Wirtschaftsstandort hat.

Herr Burmeister-Salg, was macht aus Ihrer Sicht eine gute Wirtschaftsförderung aus?

Gute Wirtschaftsförderung ist ein ordentliches Verhältnis zwischen proaktiver und reaktiver Bestandspflege, sprich: Ich biete den Unternehmen vor Ort etwas, biete aber auch etwas an Mehrwert, um neue Unternehmen an den Ort zu ziehen. Zu einer guten Wirtschaftsförderung gehören auch ein vernünftiges Flächenmanagement und Hilfestellungen, wenn es innerhalb der Verwaltung Dinge zu klären gibt – also ein „Rathaus-Lotse“ für die Gewerbetreibenden zu sein. Abgerundet wird dies durch eine Vernetzung aller Kräfte; also Gewerbetreibende, Vereine und Institutionen, Politik und Verwaltung. Das sind die Kernpunkte einer gelungenen Wirtschaftsförderung.

Welche Ziele stehen in den kommenden Jahren im Fokus?

Sicherlich eine sehr ausgewogene Flächenpolitik, die dafür sorgen wird, die wirtschaftliche Wertschöpfung Münsters nachhaltig voranzutreiben. Was auch bedeutet, dass das Breitefeld immer weiter in den Fokus der Aktivitäten der Gemeinde rückt, um es wirklich mal aus seinem Dornröschenschlaf zu erwecken. Das ist die Grundlage, um dort eine Wertschöpfung – die auch nachhaltig sein muss – überhaupt erst etablieren zu können. Gleichzeitig haben wir das Baugebiet Am Seerich, das von der Qualität her ein sehr gutes Gewerbegebiet und ein sehr gutes Mischgebiet sein wird. Hier sind Entscheidungen zu treffen, die die Entwicklung Münsters innerhalb der nächsten Jahre – vielleicht sogar des nächsten Jahrzehnts – maßgeblich mit prägen werden. Auch die Fläche auf dem Frankenbachgelände bietet Münster nachhaltig Chancen.

Wie vielfältig ist die Geschäftslandschaft in Münster?

In der Wirtschaftsförderung geht es auch immer darum, den Bereich an Gewerbe zu diversifizieren, also auf sehr breite Beine zu stellen. Da ist Münster wirklich sehr gut aufgestellt: Von den klassischen Handwerksbetrieben über Weltklasse-Instrumente bis hin zu absolut hochkarätiger Medizintechnik ist das eine sehr vielfältige, spannende Landschaft. Wir haben viele Unternehmen im Hochtechnologie-Sektor, denen der Standort hier sehr wichtig ist, weil er eine gute Qualität an Infrastruktur bietet – und das meine ich nicht nur bezogen auf die Flughafennähe und die zentrale Lage im Rhein-Main-Gebiet. Auch im Bereich Breitbandversorgung sind wir innerhalb des Landkreises die absolute Spitze an Qualität. Ein Großteil Münsters hat mittlerweile 100Mbit/s Download- und 40Mbit/s Upload-Geschwindigkeit, das ist schon wirklich gut, was nicht heißt, dass wir uns jetzt darauf ausruhen. Wie heißt es so schön – Stillstand ist Rückschritt. Wir werden jetzt im nächsten Schritt versuchen, das restliche Gemeindegebiet auf diese Qualität zu bringen. Aber wir gucken schon, dass wir noch weiterplanen in Richtung FTTH, also „Fiber to the Home“, was eine Downloadgeschwindigkeit von bis zu 400mbit/s bedeutet. Wir haben schon die ersten Gespräche geführt, damit wir weiterhin unsere Position an der Spitze erhalten können.

Warum hat Münster Potential als Wirtschaftsstandort?

Weil wir innerhalb der Rhein-Main-Ebene eine sehr gute verkehrliche Anbindung haben mit zwei Bundesstraßen auf dem Gemeindegebiet, von denen eine wie eine Autobahn ausgebaut ist. Hinzu kommen natürlich die Flughafennähe und die Anbindung nach Frankfurt generell. Das ist auf jeden Fall einer unserer Selling Points. Auf der anderen Seite haben wir hier eine Flächenqualität, die wirklich sehr gut ist und für das, was die Flächen bieten, immer noch preiswert. Hinzu kommt die Breitband-Infrastruktur, die für den Landkreis Darmstadt-Dieburg im wörtlichen Sinne hervorragend ist. Gleichzeitig natürlich ein bestehendes System an Gewerbetreibenden in enger Zusammenarbeit mit der Wirtschaftsförderung: Man weiß, hier wird man wertgeschätzt und wenn es irgendwelche Probleme gibt, sind wir alle füreinander da, dann ist auch die Wirtschaftsförderung für die Gewerbetreibenden da. Zudem bieten wir für Angestellte eine sehr gute Wohnqualität vor Ort, was natürlich auch für Firmen interessant ist. Wenn die Arbeitnehmer vor Ort gut wohnen können, ist für Unternehmen noch mal eine ganz andere Produktivität möglich.

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Olaf Burmeister-Salg. Foto: GM/mmr