Projektstart: Zukunft der Altstadt beginnt jetzt

14.03.2017

- Kategorien: Kommunen innovativ,

Leerstände, Verfall und eine mangelnde Zukunftsfähigkeit bedrohen viele alte Ortskerne – so auch in Münster. Am vergangenen Montag (6. März) ist in Münster der Startschuss für ein Projekt gefallen, das Altstädten neues Leben einhauchen will – und zwar in enger Zusammenarbeit mit Anwohnern und Eigentümern. „AktVis“ („Aktivierung von Flächenpotenzialen für eine Siedlungsentwicklung nach innen – Beteiligung und Mobilisierung durch Visualisierung“) heißt das zu 100 Prozent vom Bundesministerium für Bildung und Forschung finanzierte Projekt, das zur Bürgerbeteiligung einlädt.
Alte Ortskerne geben vielen Kommunen ihren ganz besonderen Charme. Zugleich haben sie oftmals mit großen Problemen zu kämpfen: Einkaufs- und Wohnmöglichkeiten haben sich immer stärker an die Ortsränder verlagert, viele Gebäude stehen leer, verfallen gar; und die Suche nach neuen Eigentümern gestaltet sich schwierig, weil die Gebäude weder aktuell nachgefragten  Wohnungszuschnitten noch modernen energetischen Standards genügen und Stellplätze fehlen. Auch in Münster lässt sich diese Entwicklung im alten Ortskern beobachten. Das Projekt „AktVis“ will Altstädten eine Zukunft geben. Am Montag (6. März) ist in Münster der Startschuss für das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung im Rahmen der Forschungsinitiative „Kommunen innovativ“ geförderte Projekt gefallen.
Bürgerbeteiligung ist Kern des Projekts
Über einen Zeitraum von zwei Jahren sollen Ideen entwickelt werden, wie alten Ortskernen neues Leben eingehaucht werden kann. Hierfür arbeiten die beteiligten Kommunen – neben Münster sind Otzberg und Bensheim im Projekt – mit der Technischen Universität Darmstadt (Fachgebiet Landmanagement sowie Forschungsgruppe Arbeits- und Ingenieurpsychologie) und dem Fraunhofer-Institut für graphische Datenverarbeitung (Fraunhofer IGD) zusammen. Ziel ist es, Konzepte zu entwickeln, die dann mit modernen Medien auf einem sogenannten „Multitouch-Tisch“ (eine Art großer Tablet-PC) als 3D-Modell anschaulich gemacht werden können.
Diese Modelle wiederum dienen als Diskussionsgrundlage, um in Bürgerworkshops gemeinsam mit Eigentümern und Anwohnern in den Altstädten Zukunftsszenarien zu entwickeln. Leerstände könnten Parkflächen weichen, Bauruinen modernen, energetisch aktuellen Neubauten. „Die Bürgerbeteiligung ist ein Kern des Projekts“, betonte Bürgermeister Gerald Frank bei der Startveranstaltung im Sitzungssaal des Rathauses, zu der rund 60 Gäste bestehend aus den Projektpartnern und Interessierten gekommen waren. „Wir möchten möglichst viele Bürger mitnehmen.“
Dass daran durchaus großes Interesse besteht, zeigten die Rückmeldungen einiger Münsterer Bürger während der Diskussion. „Viele von uns stehen schon auf dem Standby-Modus für eine Veränderung“, betonte eine Eigentümerin die Bereitschaft vieler Anwohner, offen für neue Konzepte zu sein.
Positive Impulse für ganz Münster
Zwar wird für „AktiVis“ in Münster zunächst nur ein Teil der Altstadt zwischen Dammstraße, Hintergasse und Austraße unter die Lupe genommen. Doch von dem Projekt kann letztendlich ganz Münster profitieren, so Bürgermeister Gerald Frank. Die Gemeinde bewirbt sich derzeit um Fördermittel aus dem Bund-Land-Programm „Stadtumbau in Hessen“. Ist die Bewerbung erfolgreich, ergeben sich daraus finanzielle Gestaltungsmöglichkeiten weit über den alten Ortskern hinaus.
In den kommenden Monaten werden zunächst einmal die Ist-Zustände in Münster, Otzberg und Bensheim wissenschaftlich analysiert und erfasst, erläuterte Professor Hans Joachim Linke vom TU-Fachbereich Landmanagement das weitere Vorgehen. Sobald diese Grundlage vorhanden ist, beginnt die Ideensammlung. Die Gemeinde Münster wird weiterhin in regelmäßigen Abständen über den Fortschritt des Projekts berichten und zeitnah über die Bürgerworkshops informieren.

Auftakt zu „Kommunen Innovativ“